Teich 3 Golfclub Obere Alp. | © W. Rutz
von Stephan Schöttl
„Diesem Fleckchen Erde hätte gar nichts Besseres passieren können, als zu einem Golfplatz gemacht zu werden“, sagt Waleri Rutz. Der Head-Greenkeeper des Golf Clubs Obere Alp kennt das Gelände auf dem Hochplateau im Südschwarzwald seit 16 Jahren. Früher war die Fläche vor allem steinig und wenig ertragreich. „Das war unfruchtbares Land“, erklärt Rutz. Heute ist das Bild ein anderes. Zwischen den Spielflächen finden sich Wiesen, Gehölze, Hecken, Schilfbereiche und Steinriegel. Und auch die Zahl der beobachteten Vogelarten hat sich verändert. Waren es zu Beginn 13, wurden im Jahr 2025 bereits 55 Arten dokumentiert. „Dieser Golfplatz ist eine Bereicherung für die Umwelt“, meint Clubmanager Michael Frick.
Seit Kurzem kann der Golf Club Obere Alp diese Entwicklung auch mit einem Zertifikat belegen. Der Club hat die höchste Stufe des Managementprogramms GOLF&NATUR des Deutschen Golfverbands (DGV) erreicht und ist damit einer von mehr als 100 Golfclubs in Deutschland, die mit Gold ausgezeichnet sind. Bemerkenswert ist dabei vor allem das Tempo: Innerhalb von kurzer Zeit durchlief die Anlage die Stufen Bronze, Silber und Gold.
„Wir hatten bei uns schon einen hohen Standard und viele Anforderungen bereits erfüllt. Trotzdem ist das natürlich ungewöhnlich“, sagt Frick. 2024 war der Golf Club Obere Alp erstmals nach den Kriterien von GOLF&NATUR zertifiziert worden – zunächst in Bronze. Vorausgegangen waren Arbeiten zur ökologischen Aufwertung der Anlage sowie die systematische Überwachung und Dokumentation verschiedener Bereiche. Begleitet wurde der Prozess vom DGV-Fachberater Hartmut Schneider. Wesentlichen Anteil an der Umsetzung hatten Head-Greenkeeper Rutz und sein Team, Vorstandsmitglied Martin Baumann sowie der Umweltbeauftragte Hartmut Trenz.
GOLF&NATUR beschränkt sich dabei nicht nur auf Naturschutz. Das Programm verbindet die Bereiche Natur und Infrastruktur mit Platzpflege und Spielbetrieb, Arbeitssicherheit und Umweltschutz sowie Partnerschaften und Kommunikation. Ziel ist es, gute Bedingungen für den Golfsport mit einem möglichst schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu verbinden.
Auf der Oberen Alp lässt sich dieser Ansatz an vielen Stellen ablesen. Für Greifvögel wurden Sitzstangen aufgestellt. Der Rote Milan hat sich angesiedelt. Die offene Landschaft mit kleineren und größeren Gehölzen bietet den Vögeln geeignete Bedingungen für die Nahrungssuche. Am Clubhaus hängen zudem rund 60 Nistkästen für Schwalben. Doch nicht nur Vögel finden auf der Anlage Lebensräume. Wildblumenwiesen, Schilfflächen, naturbelassene Hecken und Baumbestände bieten zahlreichen Pflanzen- und Insektenarten Rückzugsräume. In Steinhaufen und bepflanzten Steinriegeln finden sich Eidechsen und Insekten. Das Material dafür stammt zum Teil direkt aus dem Gelände. „Wir haben ein kleines Paradies“, sagt Rutz und meint damit nicht nur Flora und Fauna. Auch die Landschaft und das Panorama gehören für den Greenkeeper zur Besonderheit des Standorts.
Ein wichtiger Teil der Arbeit ist der Umgang mit Ressourcen. Der Club betreibt ein eigenes Blockheizkraftwerk, mit dem das Clubhaus beheizt und Wasser erwärmt wird. Das Beregnungswasser stammt aus drei Quellen und wird in größeren Teichen gespeichert. Die Quellen waren früher Teil der Trinkwasserversorgung eines Ortsteils, wurden später vom Netz genommen und werden heute für den Betrieb der Golfanlage genutzt.
Der sparsame Einsatz des Wassers gewinnt angesichts zunehmender Hitze- und Trockenperioden weiter an Bedeutung. Auch auf der Oberen Alp wird deshalb an der Beregnung gearbeitet. Bei der sogenannten „Back-to-Back“-Lösung lassen sich alle Regner rund um die Grüns einzeln steuern. So kann die Bewässerung an unterschiedliche Standortbedingungen angepasst werden – etwa an Sonnen- und Schattenlagen und windexponierte Bereiche. „Der Klimawandel bringt jede Menge Herausforderungen mit sich“, sagt Frick.
Auch bei der Platzpflege verändert sich der Betrieb. Seit Kurzem unterstützen autonome Mäher das Greenkeeping-Team bei der Pflege von Fairways, Semiroughs und Abschlägen. Auf dem 9-Loch-Platz der 27-Loch-Anlage ist die Pflege bereits elektrifiziert. Neun Mähroboter sind dort im Einsatz. Auf der Driving Range arbeiten drei weitere Geräte, rund um das Clubhaus vier zusätzliche Mähroboter.
Die Technik soll nicht nur Arbeitszeit und Betriebskosten sparen. Die Geräte sind mit einer KI-gestützten Kameratechnologie ausgestattet, die Hindernisse erkennen kann. Aus Rücksicht auf die Tierwelt werden die Mähroboter ausschließlich tagsüber eingesetzt. „Natürlich ist das auch eine Kostenersparnis. Kraftstoff ist teuer geworden. Es läuft alles reibungslos“, sagt Rutz. Für das Greenkeeping-Team bedeutet die Automatisierung vor allem, dass Zeit für andere Aufgaben frei wird.
Dass dabei nicht allein die Greenkeeper am Werk sind, ist für den Club ein weiterer Baustein des Konzepts. Mitglieder beteiligen sich unter anderem an der Heckenpflege und am regelmäßigen Baumschnitt. Trenz hat dabei eine Erfahrung gemacht, mit der er selbst nicht gerechnet hatte: „Eigentlich kennt man so etwas nur aus einem Fußballverein. Ich hätte vorher nicht erwartet, dass es auch in einem Golfclub möglich ist, für so ein Thema fast 80 freiwillige Helferinnen und Helfer zusammenzubringen.“
Für Platzchef Baumann hat die Zertifizierung auch eine Funktion, die über die konkrete Arbeit auf der Anlage hinausgeht. „Zertifikate sind heute auch ein wichtiges Signal nach außen – insbesondere in politischen Diskussionen rund um Ressourcenverbrauch und Naturschutz“, sagt er. Viele Maßnahmen würden bereits umgesetzt oder weiterentwickelt: längere Roughbereiche, Blühstreifen, strukturreiche Lebensräume für Insekten und Kleintiere sowie ein möglichst geringer Einsatz chemischer Mittel. Unterstützt wird die Arbeit unter anderem durch wissenschaftliche Programme wie Golf Biodivers, die Flächen systematisch erfassen und ökologische Veränderungen dokumentieren.
Damit liefert die Gold-Zertifizierung auch eine Antwort auf die häufig grundsätzlich geführte Diskussion über den ökologischen Fußabdruck von Golfanlagen. Ein Golfplatz braucht Fläche, Wasser, Pflege und Energie. Gleichzeitig kann eine Anlage, die in vorhandene Landschaftsstrukturen eingebunden ist und ihre Flächen entsprechend entwickelt, Lebensräume erhalten oder neu schaffen. GOLF&NATUR setzt genau an dieser Schnittstelle an. Die Zertifizierung soll dabei nicht bescheinigen, dass eine Golfanlage frei von Eingriffen ist. Sie dokumentiert vielmehr, wie mit den vorhandenen Flächen und Ressourcen umgegangen wird und ob entsprechende Standards eingehalten und weiterentwickelt werden.
Auf der Oberen Alp ist die Entwicklung mit dem Gold-Zertifikat deshalb nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Die Vorbereitungen für die erste Re-Zertifizierung haben bereits begonnen. „Stillstand gibt es bei uns nicht“, sagt Baumann.

