Club zur Vahr, Allgäuer G&LC und Golf-Club Hof Hausen | © Himmel/Clubs
Von Petra Himmel
Der Allgäuer Golf- und Land-Club, der GC Hof Hausen vor der Sonne in Hofheim bei Frankfurt und der Golf Club zur Vahr in Bremen gehören zur Gruppe jener deutschen Golfanlagen, welche die Energiewende bereits in vielen Bereichen geschafft haben. Sie blicken inzwischen ziemlich positiv auf das Thema erneuerbare Energien.
„Ich bin positiv überrascht“, lautet das Fazit von Mark Niendorf, Vorstand der AG in Hof Hausen vor der Sonne. Die 27-Löcher-Anlage in Frankfurter Nähe hat in Sachen Energie eine umfassende Umstellung des Wassermanagements und die Inbetriebnahme einer 220 kwpeak Photovoltaik-Anlage hinter sich.
Energie-Audit durchführen
„Wir sind mehr als zufrieden“, resümiert Johannes Siemenczuk als Clubmanager des Allgäuer G&LC in Ottobeuren. Ihn kann man als einen der Pioniere beim Thema Energie bezeichnen. E-Tankstellen und Photovoltaik hatte der Club schon vor vier Jahren. Seitdem hat er sich permanent weiterentwickelt und ein professionelles-Energie Audit durchgezogen.
Der Club zur Vahr mit zwölf Tennisfreiplätzen, Tennishalle, Hockeyfeldern, Fitnessstudio und einem 24-Meter-Schwimmbahn hat mit den anderen beiden Golfanlagen bis auf die 27-Löcher-Golfanlage wenig gemein. „Meine Sparringspartner sind eher die anderen großen Multi-Spartenvereine aus Hamburg oder Berlin“, erklärt Geschäftsführer David Müller. Dementsprechend war das Energieprojekt komplex. Es reichte von einem kompletten Clubhausneubau in der Innenstadt über den Ankauf einer neuen Tennishalle für den Winter und die Installation einer Beckenwasserwärmepumpe im Schwimmbad bis zur Photovoltaikanlage auf dem Dach. „Ich habe mit dem rein sportlichen Betrieb im Club nichts mehr zu tun, sonst hätte ich mir die Zeit nicht nehmen können“, verweist Müller auf den enormen Planungs- und Zeitaufwand.
Mindestens 30 Prozent Kosteneinsparung
Einig sind sich die Drei in ihrer Zielsetzung. „Mindestens 30 ProzentKosteneinsparung waren das Ziel“, sagt Müller. „Wirtschaftlich muss es natürlich sein“, zieht Niendorf nach. „Wenn man sich bei der ganzen Sache geschickt anstellt, bekommt man wirklich sehr günstige KfW-Kredite“, gibt Siemenczuk seine Erfahrungen weiter. Er kann auch die weit verbreiteten Klagen über die schlechte Verfügbarkeit von Energieberatern nicht bestätigen. Im Allgäu war es offenbar leichter, einen Experten zu gewinnen. „Wir hatten kein Problem. Das Energie-Audie hat uns die Augen geöffnet, wo an welcher Stelle wir wieviel Energie verbrauchen.“ Und schon dieses sei ja auch zu 50 Prozent gefördert gewesen. Mit dem Bestandsplan in der Hand arbeitet man sich seitdem im Allgäuer Land- und Golf-Club umweltfreundlich voran. „Das ist der einzig wirklich richtige Weg“, findet der Clubmanager.
Mark Niendorf ist noch nicht ganz so lange im Thema erneuerbare Energien unterwegs wie sein Allgäuer Kollege, erkennt aber schon jetzt eine Verhaltensänderung beim Personal. „Wir sind erst seit einem Jahr wirklich am Netz, aber man wird sensibler im Umgang mit Energienutzung. Wilde Dinge mit hohem Energiebedarf macht hier niemand mehr, wenn die Photovoltaik nicht läuft.“ Insgesamt ist Niendorf vom Konzept überzeugt. Jetzt denkt man hier über Speichermöglichkeiten nach. Auch der Austausch der Gasheizung ist ein Zukunftsprojekt, das im Raum steht.
Das Themahat man im Club zur Vahr bereits vor Jahren abgehandelt, als sich ein Vorstand für die Installation eines Blockkraftheizwerks entschied. Trotzdem waren die Gesamtinvestitionen für die vor kurzem getätigten Energieprojekte enorm: 210.000 Euro für Dämmungsmaßnahmen, 240.000 für die 200 kwpeak Photovoltaikanlage, allein 40.000 für die Beckenwässerwärmepumpe. Bei der neuen Traglufthalle spart man aufgrund der modernen Konstruktion zwar sehr viel Energie, die Umstellung auf erneuerbare Energien ist aufgrund zu hoher Kosten aber nicht geglückt. Mit Blick auf die ersten Zahlen geht Müller insgesamt von einer mehr als 30-prozentigen Reduktion des Stromverbrauches auf 170.000 kwh aus, der Gasverbrauch reduzierte sich ebenfalls um mehr als ein Drittel.
Strukturierte Planung ist die Basis
Die gute Laune der drei erfahrenen Golfmanager, die alle jahrelange Expertise in diesem Berufsfeld mitbringen, lässt sich auch dadurch erklären, dass die Förderbeträge für die einzelnen Projekte groß waren. Dafür dauerte es zum Teil allerdings Monate, bis die Netzanmeldung der Photovoltaikanlage klappte.
Nein, ein Thema zum schnellen Abhaken sind Investitionen im Energiebereich nicht. Davor warnt auch Benedikt Baumann, Nachhaltigkeitsmanager beim Deutschen Golf Verband und Energieberater. „Man sollte sich auf keinen Fall durch Aktionismus oder von einzelnen Fördermöglichkeiten locken lassen. Wichtig ist die ganzheitliche und strukturierte Herangehensweise, bei der ein unabhängiger Energieberater mit einem Energie-Audit am Anfang steht. Hierbei möchten wir unsere Mitglieder zukünftig unterstützen. Nur, wer durchdacht vorgeht, kann auch langfristig sinnvolle Entscheidungen treffen."

