Rundgang anlässlich der Greenkeeper Schulung zur Gewässerpflege | © Arne Bensiek
Von Arne Bensiek
Das betonten die Umweltschutz-Ingenieurin Irma Hettinger und Gewässerbau-Experte Phillip Paul bei einer Greenkeeper-Schulung im Golf Club St. Leon-Rot am 21. Oktober. Zahlreiche Führungskräfte aus der Platzpflege sowie Platzvorstände von Golfclubs folgten der Einladung zu dieser Veranstaltung im Rahmen des staatlich geförderten Aufwertungsprogramms GolfBiodivers, welches ein Baustein der DGV-Biodiversitätsstrategie ist. Unter dem Titel „Schulung, Vernetzung, Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit zu Biodiversität auf Golfanlagen“ steht das Teilvorhaben 5 von GolfBiodivers, bei dem der Deutsche Golf Verband die Führung übernimmt. Um die Biodiversität auf Golfanlagen zu fördern, ergreift der DGV verschiedene Maßnahmen, dazu zählen Greenkeeperschulungen.
Der Golf Club St. Leon-Rot sei ein perfektes Anschauungsobjekt, weil dessen 36-Loch-Anlage sowohl über Stillgewässer als auch Fließgewässer verfüge, erklärte Irma Hettinger in ihrem Vortrag zur fachgerechten Gewässerpflege. Um eine möglichst große Artenvielfalt zu ermöglichen, sollten Gewässer abwechslungs- und strukturreich gestaltet sein: vom Ufer über Flachwasserzonen bis hin in Tiefenbereiche. Gehölze oder Kräuter, die zudem Teile der Uferzone beschatteten, ließen mehr Biodiversität erwarten als kahl gemähte Rasenhänge oder Spundwände, die im Wasser münden.
Kontinuierliches Beobachten
Laut Hettinger gilt die Faustformel: „Beruhigte Wasserbereiche bieten stets mehr Artenvielfalt als reine Fließgewässer.“ Wenngleich stehendes Wasser in der Pflege mehr Herausforderungen mit sich bringe. Laub oder Pflanzenreste, die auf den Gewässergrund sinken, können mit der Zeit zur Verschlammung oder gar Verlandung eines Teiches führen. Die Bildung von Faulgasen, also übel riechender Schwefel-Wasserstoff-Verbindungen, ist gleichbedeutend mit dem Tod vieler Arten. „Es ist wichtig, Gewässer kontinuierlich zu beobachten, um Fehlentwicklungen zu erkennen und gegenzusteuern“, empfiehlt Hettinger. Starkes Algenwachstum etwa deute auf einen zu hohen Nährstoffeintrag hin. Gibt es nur wenig Wasserpflanzen, sei es ratsam, das Gewässer mit Sauerstoff zu versorgen.
Behörden bei Konzepten einspannen
Idealerweise folge die Gewässerpflege einem Maßnahmen-Entwicklungs-Konzept, das gewisse Zielarten definiert und solche, die nicht erwünscht sind. Dies sollte in Abstimmung mit den zuständigen Behörden entstehen, da Eingriffe in Gewässer hierzulande rechtlich stark reguliert sind. „Es ist wichtig, vorab zu klären, wofür es eine Genehmigung braucht und wofür nicht“, erklärte Hettinger. Greenkeeper oder beauftragte Fachfirmen sollten ihre Arbeiten in jedem Fall lückenlos dokumentieren – nicht zuletzt, um die Wirksamkeit der Arbeiten später beurteilen zu können.
Umweltschutz-Ingenieurin Hettinger räumt zwar ein, dass es eine Herausforderung sei, auf Golfanlagen die Themen Biodiversität, Landschaftsästhetik und Spielbarkeit in Einklang zu bringen. Zugleich zeigte sie sich beeindruckt davon, welcher Aufwand auf Golfplätzen betrieben werde, um Artenvielfalt zu fördern. Hilfreich sei, Maßnahmen wie Entschlammung oder den Rückschnitt von Schilf nicht flächendeckend durchzuführen, sondern einem Plan folgend in Abschnitten. „So bleiben immer genügend Rückzugsorte für die jeweiligen Tierarten vorhanden“, betont Hettinger.
Phillip Paul vom Unternehmen „Natürlich Paul“ präsentierte bei der Greenkeeper-Schulung, wie Hochwasserschutz und der Erhalt von Lebensräumen in Gewässern Hand in Hand gehen können – ein wichtiges Thema angesichts zunehmender Starkregenereignisse. In diversen Projekten hat der Fachmann für Erd- und Gewässerbau bereits Bäche renaturiert. Durch den gezielten Einbau von Gewässersteinen, Totholz und Sediment, berichtete Paul, werde eine Durchgängigkeit zurückerlangt. „Fische und Amphibien können in Fließgewässern wieder frei wandern, wo zuvor beispielsweise eine Betonsohle unüberbrückbar war.“
Wasser in der Natur binden
Zentral in der Arbeit von Phillip Pauls Unternehmen ist auch die Schaffung von Hochflutmulden. Sie stellen sicher, dass anschwellende Bäche nicht über die Ufer treten und das Kanalnetz belasten. „Wasser, das in Bächen, Teichen, auf Feldern oder im Wald bleibt, kommt der Natur zugute“, so Paul. Sein Unternehmen übernahm bei einem Speicherteichprojekt vom Golf- und Land-Club Kronberg eine sogenannte Uferaufweitung sowie den Einbau eines Streichwehrs.
Bei einer Platzbegehung im Golf Club St. Leon-Rot wies Phillip Paul darauf hin, an welchen Stellen der Golfanlage die Renaturierung von Wasserhindernissen denkbar wäre. Insbesondere bei befestigten Ufern – ein beliebtes Stilelement nicht nur in der Golfplatzarchitektur von Pete Dye – gebe es Spielraum für mehr Biodiversität. Greenkeeper Karsten List berichtete von der Gewässerpflege im Golf Club St. Leon-Rot, vom hohen Aufwand, den der Vorzeigeclub betreibe, um ein Miteinander von Golf und Artenvielfalt zu gewährleisten. Ein Prozess, der nie endet, sondern jeden Tag Herausforderungen mit sich bringt.

